VDI Runde Ostschweiz

VDI Sonderpreis: European Space Camp (ESC 2019)

Kooperation mit "Schweizer Jugend forscht"

Am 6. Mai 2019 überreichte Raimond Gatter den VDI Sonderpreis an Moriz Berclaz für seine Arbeit "(R)Evolution der Flügelform?" (wir berichteten in der VDI Bodensee Mitgliederinformation Juni 2019).

Hier der Erlebnisbericht des jungen Zürchers von der Andøya Space Range in Norwegen:

Dank Schweizer Jugend forscht und dem Verein Deutscher Ingenieure war es mir möglich, am berühmten «European Space Camp – Andøya (Norway)» teilzunehmen. Die Woche im Space Camp verging wie im Flug und doch habe ich so vieles erlebt, dass eine A4 Seite Text auf keinen Fall repräsentativ sein kann.

Zu Beginn der Woche hiess uns das ESC Team sehr herzlich am Flughafen Andenes willkommen und führte uns sogleich zum erstaunlichen Gebäudekomplex des «Andøya Space Center». Wir, das heisst, 22 junge Leute aus 8 verschiedenen Nationen, wurden nach einer Führung durchs Camp am Nachmittag offiziell begrüsst und informiert, dass wir als Gruppe eine Rakete bauen und am Ende der Woche auch selber starten werden. Um diese Aufgabe zu meistern, wurden wir in drei Gruppen eingeteilt: Payload, Telemetry und Sensor Experiments, wobei ich mich für letztere entschieden habe. Wir waren dafür zuständig, dass die zehn Temperatursensoren im Kopf der Rakete richtig angebracht und korrekt mit dem Mikrocontroller verknüpft wurden. Dafür mussten wir viel löten, berechnen, kleben und wenn etwas schief ging (was ab und zu schon einmal vorkam), wieder löten. Am Ende der Woche, als die Rakete nach einem erfolgreichen Start auf über acht Kilometer Höhe flog, konnten wir unsere gemessenen Daten auswerten, analysieren und mit den erwarteten Daten vergleichen.

Neben dieser spannenden Gruppenarbeit gab es auch zahlreiche «social activities», welche uns als Gruppe und Freunde zusammenschweissten. So mussten wir zum Beispiel mit nur wenigen Haushaltsgegenständen einen Wasserballon vom Sturz aus drei Metern Höhe unbeschadet landen lassen, oder auf einem sogenannten «GPS treasure hunt» mehrere Rätsel lösen. Ausserhalb der geführten Aktivitäten wurde es für das ESC Team schwierig, die langen und lustigen Spiele-Abenden zwischen uns Teilnehmern aufzulösen.

Grosse Highlights der Woche waren auch Vorträge verschiedener, berühmter Wissenschaftler, wie zum Beispiel die von Sophie Allan vom «National Spacecentre UK». Sie behandelte hochspannende Themen, wie Weltraumteleskope, oder die Kolonisierung des Mars und die damit verbundenen Probleme. Dabei sparte sie nicht an praktischen Demonstrationen und brachte unteranderem echtes Mondgestein und einen Teil des Solarpanels vom «Hubble Space Telescope» mit. Unter grossem Staunen durften wir diese äusserst seltenen und wertvollen Objekte begutachten und sogar anfassen. Schnell entdeckten wir einen kleinen Meteorit, der das Panel penetriert hatte, was einer der Gründe war, weswegen es ausgetauscht werden musste. Neben den Vorträgen über Weltraumelektronik, Satelliten, Nordlichter, Sonnenstürme, und Quantenphysik ist natürlich der Besuch des russischen Kosmonauten, Andrei Iwanowitsch Borissenko, nicht zu vergessen. Er erzählte uns viel über seine Erfahrungen im Weltall und wie es für ihn war, über dreihundert Tage auf der internationalen Raumstation ISS zu verbringen. Dabei beantwortete er unsere vielen Fragen mit Geduld und gab uns sogar persönliche Unterschriften.

Alles in allem war das «European Space Camp 2019» eine unvergessliche Zeit, die mir die Augen in Sachen Space Science öffnete. Neben den großartigen Unterrichtsstunden und der praktischen Arbeit fand ich das Kennenlernen neuer Studenten, welche die gleichen Interessen teilen, äusserst inspirierend. Von Leuten umgeben zu sein, die das gleiche Herzblut für etwas haben, hat mich für mein Studium an der ETH Zürich in Maschineningenieurwissenschaften noch mehr motiviert. Es sind diese neuen Bekanntschaften, die ich aus dem «European Space Camp 2019» mitnehme und am meisten wertschätze. (Text: M. Berclaz)