Seniorenkreis Friedrichshafen

Nächte Veranstaltungen:

Veranstaltungen des Arbeitskreises finden Sie auf der Webseite: http://www.vdi-sen-fn.de/

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Letzte Veranstaltungen:

Mobile Krankenstationen

Oktober 2019

Die Exkursion der Senioren aus Friedrichshafen führte im Oktober in die Firma ZMS, Zeppelin Mobile Systeme GmbH, direkt vor unserer Haustür. Hermann Ochaba hat diesen interessanten Tag organisatorisch vorbereitet, ihm sei hiermit gedankt. ZMS ist ein mittelständisches Unternehmen, das eine Marknische bedient und weltweit erfolgreich ist. Es ist seit 20 Jahren eigenständig und beschäftigt rund 100 Mitarbeiter, wobei die ersten Entwicklungen auf die 60/70er Jahre zurückgehen.

Vertriebsleiter Alexander Lutz hat in einem Einführungsvortrag die Marktlage geschildert, bevor er technische Erläuterungen dazu gab und wir durch den Betrieb geführt wurden. Geliefert werden mobile Notfallsysteme, die in 20‘ ISO-Container („Shelter“) eingebaut werden. Das sind mobile Krankenstationen und Feldhospitäler sowie Zivilschutz- und Infrastruktureinrichtungen, wie sie von Hilfs- und Regierungsorganisationen und vor allem vom Militär eingesetzt werden, wenn Katastrophen (Naturkatastrophen oder Kriege) es erfordern.

Es können Ausstattungen für alle medizinischen Fachgebiete ausgeführt werden, wie auch Notaufnahme, Radiologie, OP Vor- und Nachbereitung, Labor, ja sogar Computer-Tomographie. Die Systeme werden bodengestützt oder auf Fahrzeugen realisiert. Um Massenverletzte unterbringen zu können werden Patientenunterkünfte aus gestängegestützten oder aufblasbaren Zelten geliefert. Alle Bauteile lassen sich zu Gruppen zusammenbauen, die durch Schleusen und Gänge verbunden sind. Die Systeme sind für alle klimatischen Bedingungen geeignet. Beeindruckend war bei dem Rundgang, wie diese Einrichtungen für den Transport platzsparend zusammengesetzt werden und damit auch Transporterschütterungen Stand halten.

Am Nachmittag stand die Kultur auf dem Programm. Besucht wurde in Tettnang die katholische St. Gallus Kirche. Im Jahr 1410 wurde sie geweiht und nach einem Brand barockisiert. Im Krieg stark zerstört hat sie der Künstler Helmut Lutz auf besondere Weise komplett innen neu gestaltet und dabei Holz, Stein und Eisen in individueller Formsprache genutzt. (Text: Axel Bringmann)    

Auf zum Oberen Kuhberg

September 2019

Für den Monat September hieß das Stichwort für unsere Exkursion „Oberer Kuhberg“, sollte es etwa auf eine Alp gehen? Mit Nichten, Axel Bringmann hatte den Besuch eines der früher insgesamt 41 Vorwerke der Bundesfestung Ulm organisiert. Die weitere Beschreibung ließ auch keine Zweifel aufkommen, was in Ulm besichtigt wird.

Da wir 44 Teilnehmer waren, mußten wir in zwei Gruppen aufgeteilt werden. Unsere beiden Führer vom Förderkreis Bundesfestung gaben gleich eine Einführung. Es folgte ein steiler und schweißtreibender  Anstieg bei über 30 °C. Das Fort liegt im Südwesten der Stadt. Es sollte im Ernstfall die Angreifer von der eigentlichen Festung fernhalten und in Kämpfe verwickeln. Dabei sollte Geschützfeuer aus den Kasematten den Feind  auf Distanz halten, aber wenn es die Lage erforderte, konnte auch Infanterie aus geringerer Entfernung und vom Fort geschützt eingreifen. Lange Gänge verbanden alle strategischen Punkte, bestückt mit vielen Schießscharten , diese abzulaufen erforderte stabiles Schuhwerk und Taschenlampen. Gemütlich waren die Stellungen nicht, es war kühl. Obwohl vor über 150 Jahren aus Naturstein und später Ziegel gemauert, waren Wände und  gewölbte Decken trocken und in einwandfreiem Zustand.

Warum wurde dieser Aufwand betrieben?

Ende des 18. Jahrhunderts hat Frankreich verheerende Einfälle in rechtsrheinisches Territorium ausgeführt und linksrheinisches Land annektiert (Elsass). Deshalb beschloß der Deutsche Bund 1841 in Ulm und 4 anderen Orten wehrhafte Festungen gegen den Erbfeind zu errichten.1842 bis 1859 entstanden die Bauwerke. 10 00 Arbeiter schufen einen 9 km langen Festungsgürtel über die Landesgrenze Bayern/Württemberg hinweg. Der Ausbau aller Forts zog sich bis 1866 hin. Eine Garnison von 5000 Mann lagerte in der Festung und die Ausrüstung für weitere 100 000 Soldaten für den Mobilisierungsfall. Die Festung diente nie Kampfhandlungen und 1899 war sie sogar militärisch überflüssig geworden und wurde „entfestigt“. Die Stadt Ulm hat nach jahrelangen Verhandlungen mit dem Kriegsministerium 1901 die Festungsanlage für 3 882 980 Mark erstanden und 1923 die letzte Rate bezahlt, als bereits die Inflation herrschte. Da die Festung mehr als 50 km vom Rhein entfernt ist, mußte sie gem. Versailler Vertrag von 1919 nicht geschleift werden. Das Fort diente nach 1933 als Vorläufer eines KZ, im Krieg zur Unterbringung der Elektronenröhrenproduktion für Telefunken und später als Flüchtlingsunterkunft. Unser Nachmittagsprogramm hatte die Kultur zum Gegenstand, nämlich eine interessante Führung durch das Ulmer Münster. (Text und Fotos: Bringmann)

Ruhrgebiet im Wandel,

war das Thema einer Reise der VDI-Senioren unter der Leitung von Wolf-Dieter Prüsse vom 02. bis einschl. 06. Juni ins Ruhrgebiet mit dem Standort Essen.
Nach dem Erreichen des Ziels begann das Programm am zweiten Tag mit der Besichtigung des Binnenhafens Duisburg. Hier zeigte sich der Wandel von einem ehemaligen Industriehafens zu einem urbanen Standort mit modernster Architektur (geplant von Norman Foster) und der Ansiedlung von Technologie- und Dienstleistungsfirmen. Dann entdeckten wir den weltgrößten Binnenhafen bei einer Bootsfahrt durch die Hafenbecken. Der Nachmittag führte zu den Hüttenwerken Krupp Mannesmann, wo wir den Herstellprozess des Eisens und die Weiterverarbeitung zu Stahl hautnah und warm begleiten konnten.
Essen stand am nächsten Tag auf der Tagesordnung. Das Welterbe Zollverein als ehemals größte Steinkohlenzeche des Ruhrgebiets zeigte, wie in großem Maßstab Kohle gefördert wurde. Über den romantischen Baldeneysee ging es am Nachmittag zur Margarethenhöhe, einer von Margarethe Krupp gegründeten Garten- und Wohnstadt. Die Geschichte der Familie Krupp und die Besichtigung der Villa Hügel rundeten das Tagesprogramm ab.
Am vierten Tag machten wir eine Rundreise durch das westliche Ruhrgebiet mit dem Besuch des Bottroper Tetraeders, der erstiegen wurde und hatten einen Blick  auf die Arbeitersiedlung Eisenheim in Oberhausen und dem Landschaftspark Duisburg-Nord, einem zu einem Park umgewandelten stillgelegten Eisenhüttenwerk. Seit 1994 verbinden sich hier Industriekultur mit Natur. Der Abschlußtag galt Dortmund. Hier zeigte sich eindrucksvoll der Wandel von der ehemaligen Stahl- und Kohlestadt zur grünen Metropole des Ruhrgebietes mit Wissenschaft und Handel. Auf dem Gelände der ehemaligen Hermannshütte wurde der Phoenixsee angelegt als Mittelpunkt für ein großes Wohn- und Technologiezentrum. Der sechste Tag war mit der Rückkehr nach Friedrichshafen ausgefüllt. Alles in allem waren es interessante und informative Tage. (Text: Wolf-Dieter Prüsse)

Das unternahmen die Senioren im 1. Halbjahr 2019

Gestartet wurde im Februar mit einer von Werner Krauthause organisierten Besichtigung der Hauptfeuerwache in Friedrichshafen. Das war die praxisbezogene Fortsetzung des Vortrags vom Januar über Brand- Katastrophenschutz. Der Leiter der Feuerwache, Herr Laurösch, schilderte anschaulich, auf was seine Männer vorbereitet sind und wie die Zusammenarbeit mit anderen Hilfsdiensten und der Polizei im Ernstfall klappt. Nicht nur wenn es brenntrückt die Wehr aus, zu allen Gelegenheiten wird sie angefordert. Verkehrsunfälle, hilflose Personen, Tierrettungen, Sturmschäden oder Personenbergung sind ihr täglich Brot. Auch Gefahrgutbergung und Unfälle auf dem See stehen an. Dazu ist ständig eine kleine Mannschaft einsatzbereit und es können weitere Wehrmänner in kürzester Zeit aufgeboten werden. Diese dienen freiwillig, nur Einige arbeiten hauptberuflich. Daran schloß sich eine Hausbesichtigung an. Beeindruckend waren die Werkstätten und Vorratslager, z. B. Sandsäcke sowie Einrichtungen, die der Fitness und dem Nachweis der Leistungsfähigkeit dienen, die jeder Mann wie Frau, regelmäßig durchlaufen muss. So müssen jeweils 2 Männer in voller Ausrüstung mit Atemschutz (Gewicht 15 kg) sich, z.T. kriechend, durch ein Labyrinth arbeiten, um in einem realitätsnahen, raucherfüllten Raum Personenrettung zu üben. In den geräumigen Hallen wurde uns anschließend der umfangreiche Fuhrpark vorgeführt, auch Generatoren mit Scheinwerfern und Fahrzeuge der Ölwehr für Land- und Wassereinsatz gehören dazu. Wer hätte gedacht, dass bei Großeinsätzen auch Umkleidemöglichkeiten und Toiletten ( DIXI-Klo!) mitgeführt werden müssen? Man ist hier also auf alles vorbereitet.

      Für den März gelang es Herrmann Ochaba uns für einen Nachmittag den Zutritt zum Schloß Gießen zu ermöglichen. Wer von Kressbronn nach Tettnang fährt, sieht den markanten Wohnturm rechts im Land aufragen. Das mittelalterliche Anwesen, resp. was davon noch übrig war, hat der jetzt pensionierte Optiker Heine aus Friedrichshafen vor einem halben Jahrhundert samt Umschwung  für einige D-Mark erworben und in 44 Jahren mit eigenen Händen, bis auf das neue Dach,  rekonstruiert . Überraschungen hat er dabei genug erlebt, wie der Eigentümer humorvoll zum Besten gab. Es war im 13. Jhdt. als Wasserschloß erbaut worden und im Besitz der Edlen von Wolfurt. Seit 1405 gehörte es dem Heilig Geist Spital in Lindau, bis Napoleon die Zollschranken einführte. Heute bewohnt es der Bauherr und lebt auf mehreren Stockwerken in einem stilvollen und modernen Ambiente.

      Die Fahrt im April kam auf Betreiben von Ingo Liebig zustande und führte auf die Baustelle von Stuttgart 21, einem der stark umstrittenen Bauprojekte unsere Republik. Es begann mit einem Vortrag und einer Besichtigung des ansehnlichen Modells des zukünftigen Bahnknotens im Turm des alten Bahnhofs von Architekt Boenisch. Auch der nachfolgende Blick vom Zugang zu den Bahnsteigen auf die Baugrube war faszinierend. Es wuselte dort, Fahrzeuge lieferten Material, Kräne transportierten es und dazwischen die Bauarbeiter. Der erste der großen Pilze als Dachträger war gerade ausgeschalt. Hoffen wir, dass dieses Projekt pünktlich dem Verkehr übergeben werden kann, wovon viele Menschen profitieren werden.

      Am Nachmittag fuhr unser Bus zum Stuttgarter Straßenbahnmuseum. Hier wurden Kindheitserinnerungen bei denen wach, die in einer Großstadt aufgewachsen waren. Doch gestürmt wurde der Wagen der alten Bahn, die von Pferden gezogen wurde, denn dort konnten alle dem Einführungsvortag lauschen. Anschaulich war, welche Entwicklungsstufen der städtische Personennahverkehr im Lauf von hundert Jahren zurückgelegt hat. Auch wurde gezeigt, welche Bedeutung die Straßenbahn beim Gütertransport im Krieg und der Nachkriegszeit spielte, als Lastautos kaum vorhanden waren.

     „Mai kühl und naß…“ so beginnt ein altes Sprichwort und da ist was dran: Kühl und windig war es zum Ausflug im Mai nach Kempten. Naß war es von unten, denn es wurde ein Laufwasserkraftwerk besichtigt. Die Allgäuer Überlandwerke betreiben sieben dieser Kraftwerke, um das Gefälle der Iller von 25 m innerhalb der Stadt zur Stromerzeugung zu nutzen. Wir besuchten das Kraftwerk Keselstrasse, das in den 1950er Jahren errichtet wurde und die beidseits des Flusses liegende Spinnerei und die Weberei (heute Rosenau-Wohnsiedlung) mit Energie versorgte. In den 1970er Jahren wurde es modernisiert und die Stromerzeugung auf 10,5 MW gesteigert. Heute versorgt das Kraftwerk rund 3000 Haushalte. Die Baulichkeit erhielt als Dach neu eine tollkühne dreidimensional gekrümmte Stahlbetonschale (95 x 22 m) und ist auf die denkmalgeschützten Wohngebäude ausgerichtet, wofür die Architekten mit dem „Deutschen Architekturpreis“ ausgezeichnet wurden. Zur Stromerzeugung wurden zwei Kaplan-Turbinen von Andritz Hydro, Ravensburg geliefert, die eine Fallhöhe von 5,20 m nutzen. 

      Am Nachmittag gab es anschaulichen Geschichtsunterricht. Besichtigt wurden der „Archäologische Park Campodonum“, dem Kempten seinen Namen verdankt. Vom 1. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. stand hier an der Kreuzung zweier Handelswege eine römische Siedlung, wo der Statthalter der Provinz Rätien seinen Sitz hatte, bis er diesen nach Augsburg verlegte. Seit 1885 hat das Bodendenkmalamt etliche Teile freigelegt wie das Forum, Thermen und den Tempelbezirk. Um den Besuchern ein anschauliches Bild bieten zu können wurden einige Altäre und kleine Tempel innerhalb eines überdachten Umgangs rekonstruiert und mit Artefakten bestückt. Auch die Therme wurde eingehaust. Werner Krauthause sei hier für die Vorbereitung und Durchführung gedankt.

     Für den Juni hatte unser gerade 90 gewordene Kollege Robert Stahl (herzlichen Glückwunsch!) ein Ziel gewählt, das ihm besonders am Herzen lag: Die schmucke Kleinstadt Blaubeuren. Sie hat nicht nur sehenswerte Fachwerkhäuser aufzuweisen, sondern ein Welterbe, den „Hohle Fels“. Das ist die wohl berühmteste der Eiszeithöhlen der Schwäbischen Alb im Aachtal bei Schelklingen. 2008 fanden hier Archäologen Fragmente aus Mammut-Elfenbein, die zusammengesetzt die „Venus von Hohle Fels“ ergaben. Die etwa 6 cm hohe Figur ist die weltweit älteste plastische Darstellung eines Menschen und ca. 43 000 Jahre alt. Die Höhle war von Mensch und Tier bewohnt, denn es wurden noch andere Hinterlassenschaften gefunden und deshalb wird weiter gegraben. Die Höhle war ungemütlich kalt, so konnten die Ausgrabungsergebnisse besser im Urweltmuseum bei einer Führung besichtigt werden, z.B. Werkzeuge, Flöten ein 3,6 cm großer Pferdekopf und ein 4,7 cm großer Wasservogel, ebenfalls aus Elfenbein.

Nachmittags war bei 35°C Kondition für den Rundgang durch die Stadt erforderlich. Am kühlen Blautopf war dann Endstation. Aber hier wartete noch eine Besichtigung auf uns, nämlich das historische Pumpwerk von 1875 zur Albwasserversorgung. Es galt täglich 518 000 Liter um 255 m anzuheben, um endlich die große Wasserknappheit zu beseitigen. Über 100 Jahre war diese Anlage in Betrieb und hat wesentlich zur besseren Lebensqualität der Bauern beigetragen, auch das Vieh konnte gedeihen. Der Pumpenantrieb geschah durch eine Francis-Turbine, die 2 m Höhendifferenz nutzte, um 43,2 PS Antriebsleistung bei 64 min-1 zu erzeugen. Die Räder zur Kraftübertragung hatten Hartholzeinsätze als Zähne, die Wasserschläge besser abfederten und bei Bruch sich einfach austauschen ließen.                                                                      Axel Bringmann